Die Erfindung der Resonatorgitarre
oder auch der "Wirrwarr" um den Namen Dobro
Es begab sich im Jahre1908. Da siedelten sich tchechisch-slowakische Emigranten, die Dopyera brothers, in Amerika an. Einer von ihnen, John Dopyera gründete 1925 mit George Beauchamp, Adolph Rickenbacker (ja, genau der Rickenbacker), John`s Neffe Paul Barth und noch anderen die National Company in Los Angeles. Johns Experimente in Bezug auf die Neuentwicklung eines akustischen Gitarrentyps ( E-Gitarren waren zu der Zeit noch nicht erfunden) zielte in erster Linie auf die Lautstärke des Instrumentes, da alle herkömmlichen Gitarren in diesem Punkt kaum mit Instrumenten wie Bläsern, Klavier u.a. mithalten konnten. Somit war die Gitarre zu der Zeit allenfalls als Begleitinstrument im Bandkontext einsetzbar, und auch die Solisten hatten es verteufelt schwer sich in den damaligen Zelt-Shows, Juke Joints und an den Strassenecken Gehör zu verschaffen. John experimentierte schon einige Zeit vor der Firmengründung mit verschiedenen Materialien und unterschiedlichsten Resonatoren (Ein Resonator ist im weitesten Sinne alles das, was den Schall verstärkt; also Kisten, Trichter, die Mundhöhle, oder was auch immer). So entwickelte er im Anfangsstadium durch Beauchamp inspiriert z.B. eine wild aussehende Hawaii Gitarre, die auf einem Ständer lag und unten heraus ragte ein Horn (eben um den Ton zu verstärken), ähnlich dem System der damals existierenden Grammophone. Beauchamp benutzte diese Gitarre kurzfristig. Mit ihrem exzentrischen Outfit, war es die perfekte Bühnengitarre, aber sie klang schlicht und ergreifend zum Kotzen. 1926 war es dann soweit. John meldete ein Patent auf die Tricone an. Es war eine Gitarre mit drei dünnen Aluminiumresonatoren ( auch cones genannt ), die durch eine T-Brücke verbunden waren, über die die Saiten liefen. Diese Resonatoren kann man in Form und Zweck mit Lautsprechermembranen vergleichen, nur dass sie durch die Saiten und nicht durch elektrische Impulse in Schwingung versetzt werden. Zudem war der Korpus aus Stahl, bzw. Messing gebaut. Das war die erste Gitarre von dem Typ, den wir heute als Resonatorgitarre kennen. George Beauchamp schlug vor, diese Gitarre auch mit nur einer grossen Aluminiummembran zu produzieren, sozusagen als low price- Version, aber John fand den Klang nicht so schön, wie den der Tricone. So meldete George das Patent auf den sogenannten single-cone an und John überliess ihm 1928 die Firma National und gründete die Dobro Company. Der Name leitet sich von Dopyera brothers ab. Er verwendete die neu erfundenen single- cones (das Patent besass sein Bruder Rudy, um Streitigkeiten mit Beauchamp zu vermeiden), allerdings wurden diese vorzugsweise in Gitarren mit Holzkorpus eingebaut und das Klangergebnis war wesentlich weicher. Diese Dobros sind die Art von Resonatorgitarre, die hauptsächlich im Bluegrass, einer damals gerade neu entwickelten Musikrichtung, die sich von der Countrymusik ableitet, gespielt werden. Um das Caos perfekt zu machen, stieg zwischenzeitlich Louis Dopyera bei National ein.1932 verliess Beauchamp die Firma, und National und Dobro wurden zusammengelegt. Zu dieser Zeit waren Resonatorgitarren unter beiden Namen erhältlich. Die Firma begann auch von anderen Gitarrenfirmen wie z.B. Regal Holzkorpuse zu verwenden und die eigenen Metallteile einzubauen. Und auch umgekehrt gab es Regal Gitarren mit Dobro- cones . Die Metallteile von der National Dobro Coporation fanden unter anderem Verwendung in Gitarren der Firmen Regal, Harmony, Kay und Gibson. Das Durcheinander setzte sich fort, bis 1941 Amerika in den 2. Weltkrieg einstieg und fortan sämtliches Metall für die Rüstungsindustrie benötigt wurde. Wer der Geschichte noch weiter folgen will, dem sei an dieser Stelle das Buch - the History and Artistry of National Resonator Instruments - von Bob Brozman empfohlen.
Die verschiedenen Resonatorgitarrentypen
Wie bereits erwähnt, gab es und gibt es heute wieder welche aus Holz oder aus Metall. Und es gibt sie als Tricone oder als Singlecone und dann wäre da noch die hawaiianische (auf dem Schoss liegend) oder die spanische Spielweisen-Variante. Bob Brozman hat in seinem Buch eine sinnvolle Fünfereinteilung vorgenommen, die wie folgt aussieht: 1. Resonator: Three- (Tri-) cone oder single-cone 2. Korpus: German silver, Messing, Stahl oder Holz 3. Hals-Korpusverbindung: am 12. oder 14. Bund 4. Hals: Squareneck ( hawaiianisch) oder roundneck (spanisch) 5. Kopfplatten: durchbrochen (wie z.B. bei der klassischen Gitarre) oder solide. Die verschiedenen Typenbezeichnungen (wie z.B. Style O oder auch Duolian) beziehen sich auf die verwendeten Materialien, wie auch auf die unterschiedlich aufwendigen Gravuren, die bei guten Instrumenten von Hand gefertigt werden. Die Kunst beim Bau dieser Instrumente, welche maßgeblich für einen guten Klang verantwortlich ist, ist zum einen die Herstellung des Resonators und zum anderen die etwas knifflige Verbindung von Hals und Korpus bei Gitarren aus Stahl oder Messing. Hier, aber auch bei der Auswahl, Dicke und Verarbeitung der Materialien zeigen sich erhebliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Preisklassen von heute auf dem Markt erhältlichen Resonatorgitarren. Die Firma National Resophonic , welche seit Ende der 80 er Jahre erstmalig wieder die Produktion von Resonatorgitarren mit Stahl-oder Messingkorpus nach Dopyeras Bespiel fertigt, hütet die Herstellung ihrer Resonatoren wie ein Geheimnis. Der Resonator muss zum Einen, damit er gut schwingen kann aus möglichst dü nnem Material bestehen und zum Anderen auch einen enormen Saitendruck aushalten. Die oben angesprochene Hals-Korpus-Verbindung sieht so aus, dass der Hals im Inneren der Gitarre bis zum anderen Ende unterhalb des Resonators verläuft .Diese Verbindung ist mitentscheidend für das Sustainverhalten des Instrumentes. Heutzutage gibt es eine Reihe verschiedener Firmen, die Resonatorgitarren anbieten. Die verschiedenen Modelltypen könnte man vom Sound her wie folgt beschreiben: Grundsätzlich sei gesagt, eine Resonatorgitarre klingt immer unverwechselbar nach Resonator. Will meinen: Sie hat so einen blechigen Klang in der Stimme und sie klingt immer sehr mittig, also durchsetzungsfähig. Diejenigen aus Stahl oder Messing sind die Lautesten und auch die Blechigsten, wobei Messing weicher klingt als Stahl und die Tricone mit ihren drei kleineren Resonatoren ein wesentlich weicheres und sustainreicheres Klangbild liefert im Vergleich zu der Lautesten Aller, der Singlecone aus Metall. Am meisten Sustain und am wenigsten Lautstärke bieten die Modelle aus Holz. Auch unterscheiden sie sich vom Klangcharakter doch erheblich von ihren Metallschwestern. Wie bereits angesprochen ist alles Weitere eben auch eine Frage der Qualität. So kann kann z.B. eine gute Metallgitarre mehr Sustain haben, als eine schlechte Woodbody.
Wer spielt wie Resonatorgitarre und warum?
In diesem Abschnitt geht es um den musikgeschichtlichen Teil, der eng mit diesem Gitarrentypus verbunden ist. Zunächst einmal muss man feststellen, dass, da es ja um die Lautstärke des Instrumentes ging, die Erfindung grundsätzlich bei Gitarristen aller Musikrichtungen Interesse entfachte. John Dopyera zielte mit seinen im Klangbild etwas weicheren Tricones und Woodbodies hauptsächlich auf Jazz und hawaiianische Musik, während Beauchamp meinte, mit der Stahl-Singlecone vor allem die Bluesmusiker anzusprechen, weil eben harsch und laut. Der gute John wusste gar nicht was Blues ist. Aber eben diese Singlecones waren vom Absatz her so hoch, dass die Firma überleben konnte. Als die E-Gitarre erfunden wurde, sattelten die meisten Gitarristen um, denn es ging eben noch lauter. Aber eine nicht zu belehrende kleine Menge von Gitarristen blieb den Resonatorgitarren treu. Sie hatten sich schlicht und ergreifend verliebt in diesen unnachahmlichen -Resosound-. Und der Grossteil dieser unsterblich Verliebten spielte Slide. Yeah, that`s it! Die Hawaiigitarre war es, die diesen Sound populär machte. Hawaiigitarre bedeutet in diesem Sinne, die Gitarre auf den Schoss zu legen und mit einem Röhrchen aus Glas oder Metall über die Saiten zu gleiten. Damit das jetzt nicht nur miau macht, stimmt man die Gitarre in eine offene Saitenstimmung um. Das macht dann miau-dur oder miau-moll. Die Füchse auf diesem Gebiet beherrschen sogar Stimmungen wie z.B. miau-major 7 / 9 . Schnell wurde dieser Sound auch in andere Musikrichtungen integriert, welche da waren; Blues, Country und Alles, was irgendwie damit zusammenhing .Heute hört man die Slidegitarre auch in Rock, Pop, afrikanischer und indischer Musik. Einer alten Geschichte zufolge soll es sogar ein Inder gewesen sein, der das Slidespielen erfand und der es dann den Hawaiianern zeigte .Wie auch immer, diejenigen, die die Gitarre auf den Schoß legten und nur mit einem steelbar über die Saiten glitten, suchten sich aus der Reihe der Resonatorgitarren die squarenecks aus. Dieser eckige, in diesem Falle auch aus Stahl gefertigte hohle Hals brachte mehr Resonanzraum und greifen brauchte man ja nicht. Die Anderen, die die spanische Spielweise vorzogen (bei der man bekanntlich die Hand um den Hals schliesst und dann mit den Fingern greift ), entwickelten eine Mischtechnik, bei der der Slide als Röhrchen auf vorzugsweise den kleinen Finger gesteckt wurde und man somit die anderen Finger noch für anderen Blödsinn, wie zum Beispiel Nasepoppeln frei hatte. Slidespielen kann man auf jeder Gitarre, aber Resonatorgitarren sind in diesem Falle wirklich sehr überzeugend. Die Eingliederung der Hawaiigitarre in die Countrymusik sorgte später noch für die Wahnsinnserfindung der Pedal Steel Gitarre, aber das ist wieder eine andere Welt. Als grundlegende Inspiration sei noch erwähnt, dass man eine Resonatorgitarre natürlich auch als eine -normale- Gitarre begreifen kann, d.h. auch in Standardstimmung gibt sie verdammt viel her. Wenn ich z.B. in Improvisationen auf der Basis von herkömmlichen Skalen verfalle, klingt die Resonatorgitarre auf den Bassaiten schon ein bisschen wie ein richtiger E-Bass in hohen Lagen. Ich will damit sagen, dass ich mir ein wesentlich grösseres Einsatzgebiet für diese Gitarre vorstellen kann, als das allgemein bekannt ist.
Wer nun auf den Geschmack gekommen ist und lernen möchte, wie man denn nun gewöhnlich auf so einem Instrument spielt (also in Open-tunings, mit Fingerpicks und Slide), dem seien an dieser Stelle ein paar Einsteigertips verraten. Ich wurde infiziert, als ich die alten Solo-Countryblueser hörte. So viel Musik von nur einer Person .Bass durch den Daumen der rechten Hand, darüberliegende Improvisation mit Slide, Fußtampfen und Gesang, fertig ist die Band. Dafür eignet sich eine offene Stimmung aus zweierlei Gründen sehr gut. Erstens kann ich mit dem Daumen der rechten Hand einen Wechselbass spielen, ohne mit der linken überhaupt greifen zu müssen, und zweitens ist der vorgestimmte Akkord (in diesem Fall meistens Dur) eine Grundvoraussetzung dafür, dass das Slidespielen über alle oder zumindest mehere Saiten gleichzeitig, harmonisch einen für unsere Ohren akzeptablen Sinn ergibt. Denn sämtliche Verschiebungen mit dem Slide ergeben natürlich wieder einen Dur-Akkord. Die beiden meistgespielten offenen Stimmungen sind D-Dur ( DADF#AD von den tiefen zu den hohen Saiten) auch Vestapol- oder Louisiana-Tuning genannt und G-Dur (DGDGBD) das Spanish- oder Hawaiian-Tuning. In diesem Stimmungen kann man auch Akkorde greifen, aber die ergeben natürlich ganz andere Fingerkonfigurationen als in der Standardstimmung. Abschrecken lassen muss man sich von dieser Tatsache aber nicht, denn es genügen zwei oder drei Akkorde um für den Anfang ein sehr akzeptables Lied zuwege zu bringen und ausserdem haben wir ja noch den Slide. Wenn man Slide spielt, muss die Saitenspannung recht hoch sein, damit man nicht dauernd mit dem Slide auf Holz haut. Ich benutze für Open-D folgende Stärken: .060 .049 .039 .028 .018 (ungewickelt) .016 (ungewickelt). Wohlgemerkt nur auf der Resonatorgitarre! Andere Geigen würde das fetzen und das wars dann .Das klingt schlimmer als es ist, denn erstens stimmen wir ja auf D runter und zweitens hat eine Resonatorgitarre eine kürzere Mensur als die meisten anderen Gitarren. Ich spiele die rechte Hand mit Daumen und Zeigefinger nach alter Deltablues-Manier. Die meisten Dobrospieler benutzen zusätzlich noch den Mittelfinger, vorzugsweise für triolische Angelegenheiten. Auf die Finger sollte man sich dafür vorgesehene Plastik- oder Metall-picks setzen. Das ist gewöhnungsbedürftig, bringt aber wesentlich mehr Power. Das Slide gibt es aus verschiedenen Materialien .Für die Resonatorgitarre eignet sich am besten Glas oder Messing. Um so mehr Masse das Slide hat, um so schöner ist der Ton. Das Slide steckt man am besten auf den kleinen Finger der linken Hand. So hat man die anderen Finger frei, um zu greifen. Manche setzen das Slide auch auf den Ringfinger. Probiert aus, was Euch mehr behagt .Um einen sauberen Ton zu sliden, dämpft man die Saiten hinter dem Slide mit den Fingern ab. Das vermeidet Störgeräusche. Versucht zuerst einmal das Slide auf den 3. Bund der hohen D-Saite in der D-Stimmung zu legen (mit leichtem Druck). Jetzt schlagt ihr die Saite mit dem Zeigefinger der rechten Hand an und rutscht mit dem Slide langsam in den 4. Bund und vibriert damit ein wenig. Yeah, that s the blues. Als nächstes versucht ihr mit dem Daumen der rechten Hand die tiefe und die nachfolgende D-Saite abwechselnd anzuschlagen, wobei die tiefe Saite ganz und die andere ein wenig durch den Handballen abgedämpft werden. Das macht dann Bom-Dang, Bom-Dang usw., wobei die Betonung auf Dang ,also immer auf 1+, 2+ usw. liegt. Wenn es dann einigermassen groovt, probiert ihr gleichzeitig die Nummer mit dem Slide und dem Zeigefinger der rechten Hand und rutscht dann auch mal woanders hin, z.B. volles Pfund in den 12. Bund. Fertig ist der Blues.
Keep on keeping on .Gruss, Euer Larry!
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